Hochdruck-Espressomaschinen im Test

Hochdruck-Espressomaschinen im Test

Einleitung zur Hochdruck-Technologie

Die Entwicklung von Hochdruck-Espressomaschinen hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht. In unserem Labor haben wir zehn verschiedene Modelle mit 15-bar-Systemen getestet, um die tatsächliche Leistung dieser Geräte zu evaluieren. Der Brühdruck ist ein entscheidender Parameter für die Qualität des Espressos, da er direkt die Extraktionsgeschwindigkeit und die Bildung der Crema beeinflusst.

Testmethodik und Messverfahren

Für unsere Tests haben wir hochpräzise Drucksensoren verwendet, die mit einer Genauigkeit von 0,1 bar arbeiten. Diese wurden direkt am Brühkopf installiert, um die tatsächlichen Druckwerte während der Extraktion zu erfassen. Jede Maschine wurde über einen Zeitraum von drei Wochen getestet, wobei täglich mindestens 20 Extraktionen durchgeführt wurden. Die Wassertemperatur wurde parallel mit kalibrierten Thermoelementen gemessen.

Ergebnisse der Druckmessungen

Unsere Messungen zeigten überraschende Unterschiede zwischen den getesteten Modellen. Während alle Hersteller mit 15 bar werben, erreichten nur vier der zehn Maschinen diesen Wert tatsächlich am Brühkopf. Die meisten Modelle lagen bei effektiven 11 bis 13 bar, was auf Druckverluste in den Leitungen und am Duschsieb zurückzuführen ist. Besonders interessant war die Beobachtung, dass die Druckkurve während der Extraktion bei verschiedenen Modellen unterschiedlich verlief.

Temperaturstabilität unter Last

Ein kritischer Faktor für konsistente Espresso-Qualität ist die Temperaturstabilität. Wir haben festgestellt, dass Maschinen mit Dual-Boiler-Systemen deutlich stabilere Temperaturen lieferten als Thermoblock-Modelle. Die Temperaturschwankungen bei Dual-Boiler-Systemen betrugen lediglich 0,5 bis 1,5 Grad Celsius während einer Extraktion, während Thermoblock-Geräte Schwankungen von bis zu 4 Grad aufwiesen. Diese Unterschiede haben direkte Auswirkungen auf das Geschmacksprofil des Espressos.

Crema-Qualität und Extraktionsrate

Die Qualität der Crema wurde sowohl visuell als auch mittels Dichtemessungen bewertet. Maschinen mit stabilem Brühdruck und präziser Temperaturkontrolle produzierten durchweg eine feinporige, haselnussbraune Crema mit einer Dicke von 3 bis 5 Millimetern. Wir haben zudem die Extraktionsrate gemessen, die idealerweise zwischen 18 und 22 Prozent liegen sollte. Modelle mit inkonsistentem Druck zeigten häufig Unter- oder Überextraktion.

Einfluss der Pre-Infusion

Moderne Espressomaschinen verfügen oft über eine Pre-Infusion-Funktion, bei der das Kaffeemehl vor der eigentlichen Extraktion mit niedrigem Druck befeuchtet wird. Unsere Tests zeigten, dass eine Pre-Infusion von 5 bis 8 Sekunden bei 2 bis 3 bar die Extraktionsqualität signifikant verbessert. Das Kaffeemehl quillt gleichmäßig auf, und Channeling-Effekte werden reduziert. Maschinen mit programmierbarer Pre-Infusion erhielten in unserer Bewertung Bonuspunkte.

Pumpentypen im Vergleich

Wir haben sowohl Vibrationspumpen als auch Rotationspumpen getestet. Rotationspumpen lieferten einen gleichmäßigeren Druck und arbeiteten deutlich leiser. Sie sind jedoch teurer in der Anschaffung. Vibrationspumpen zeigten während der Extraktion minimale Druckschwankungen, die sich jedoch nur bei sehr feinen Messungen bemerkbar machten. Für den Heimgebrauch sind beide Pumpentypen grundsätzlich geeignet, wenn die Maschine ansonsten gut konstruiert ist.

Praktische Empfehlungen

Basierend auf unseren Tests empfehlen wir, beim Kauf einer Espressomaschine besonders auf die Temperaturstabilität und die tatsächlich am Brühkopf ankommenden Druckwerte zu achten. Herstellerangaben beziehen sich oft auf den Pumpendruck, nicht auf den effektiven Brühdruck. Maschinen mit PID-Temperaturregelung und vorgewärmtem Brühkopf bieten die besten Voraussetzungen für konsistente Ergebnisse. Eine gute Mühle mit präziser Mahlgradeinstellung ist ebenso wichtig wie die Maschine selbst.

Fazit und Testergebnisse

Hochdruck-Espressomaschinen bieten prinzipiell ausgezeichnete Möglichkeiten für erstklassigen Espresso, doch die Qualität variiert erheblich zwischen den Modellen. Unsere Testsieger zeichneten sich durch stabile Druckkurven, präzise Temperaturkontrolle und hochwertige Verarbeitung aus. Die Investition in ein qualitativ hochwertiges Modell zahlt sich für anspruchsvolle Espresso-Liebhaber definitiv aus. Detaillierte Testergebnisse und Messdaten zu allen getesteten Modellen finden Sie in unserem vollständigen Laborbericht.

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